„Ich habe mich hier nie als Fremder gefühlt“

Ich habe mich hier nie als Fremder gefühlt

Zwar mögen die Gebäude in Dubai moderner sein, doch mit dem Wissen, das sich innerhalb der Mauern der Medizinischen Fakultät in Pécs angesammelt hat, kann keine dortige Einrichtung konkurrieren – sagt Dr. Fariborz Bagheri, der seinen Weg aus Pécs bis an die Weltspitze der Urologie gefunden hat. Mit dem Ehrengast der Diplomverleihungszeremonie 2025 sprachen wir unter anderem darüber, was er Pécs sowohl beruflich als auch menschlich verdankt – und was seiner Meinung nach für junge Ärztinnen und Ärzte am wichtigsten ist.

Von Miklós Stemler

Obwohl er weder in Pécs geboren wurde noch hier aufwuchs – und seit über anderthalb Jahrzehnten nicht mehr in der Stadt lebt –, kehrt Dr. Fariborz Bagheri bis heute regelmäßig nach Pécs zurück. Wie er sagt, schlägt sein Herz jedes Mal höher, wenn er bei der Anfahrt den Fernsehturm am Stadtrand erblickt – genau wie bei den meisten Menschen aus Pécs. Das wiegt umso schwerer, wenn man bedenkt, dass der renommierte Urologe und Chirurg in seiner über 30-jährigen Karriere an vielen Orten der Welt war, an international führenden Kliniken gearbeitet und große berufliche Erfolge in Dubai gefeiert hat. Doch all das wäre ohne die prägenden zwei Jahrzehnte in Pécs nicht möglich gewesen. Wie in jeder guten Geschichte spielte dabei auch hier der Zufall – oder vielleicht die Hand Gottes – eine entscheidende Rolle.

Fariborz 1„Ich wurde im Iran geboren, wuchs in Dubai auf, und Ungarn kam mit 18 Jahren in meinen Zukunftsplänen überhaupt nicht vor – ehrlich gesagt, wusste ich kaum, dass es existiert. Ich wusste damals bereits, dass ich Arzt werden wollte, mein Ziel war jedoch Amerika. Ein Freund von mir studierte in Pécs und empfahl mir die Universität, weil man dort auch auf Englisch studieren könne. Ich bin bis heute sehr glücklich über diese Wendung, denn Pécs war für mich der perfekte Ort. Wenn mich heute jemand fragen würde, was ich tun würde, wenn ich ins Jahr 1988 zurückreisen könnte, wäre meine Antwort: genau dasselbe – denn ich glaube, das war Gottes Plan für mich“, erinnert er sich an seine Anfänge.

Nicht nur das unterstützende Umfeld der damaligen Medizinischen Universität Pécs, sondern auch die offene, freundliche Atmosphäre der Stadt und ganz Ungarns erleichterten ihm die Integration als Medizinstudent.

„Von 1988 an lebte ich über zwanzig Jahre lang in Ungarn, und ich kehre bis heute regelmäßig zurück – und nie habe ich mich hier als Fremder gefühlt. Diese Herzlichkeit, Freundlichkeit und Offenheit sind für mich die größten Werte der Stadt und des Landes. In den ersten vier Studienjahren wohnte ich bei einer 80-jährigen Dame, Oma Gabi, zur Untermiete. Sie kümmerte sich so liebevoll um mich, als wäre ich ihr eigener Enkel – was mir nach dem langen Weg von mehreren tausend Kilometern sehr guttat. Für mich war sie Oma Gabi, sie nannte mich Borzika (Kosename). Ähnliche Herzenswärme und Unterstützung erfuhr ich auch von meinen Lehrern und ungarischen Freunden.“

Zwar war der Arztberuf bereits ein Kindheitstraum, doch seine Spezialisierung auf Urologie entstand erst während des Studiums – ausgelöst durch ein beeindruckendes Erlebnis.

„Im vierten Studienjahr durfte ich an der Urologischen Klinik eine endoskopische Operation von Chefarzt Dr. József Székely miterleben. Es war faszinierend, ihm bei der Arbeit in der Niere zuzusehen, während er gleichzeitig die Vorgänge auf dem Monitor verfolgte. In diesem Moment beschloss ich, Urologe zu werden. Nach meinem Abschluss hätte ich auch in die USA oder nach Großbritannien gehen können, entschied mich aber bewusst dafür, in Pécs zu bleiben, meine Facharztausbildung hier zu absolvieren und an der Urologischen Klinik zu arbeiten.“

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Sein Interesse an Technologie und operativen Innovationen blieb ein zentraler Aspekt seiner Karriere. Mit seinen Kollegen spielte er eine maßgebliche Rolle bei der Einführung der laparoskopischen Chirurgie in Pécs – ein Verfahren, das sie später an weiteren Kliniken in Ungarn und den Nachbarländern etablierten. Doch wie er betont, erhielt er an der Klinik nicht nur technisches Wissen.

„Es ist für jeden Arzt enorm wichtig, einen guten Mentor zu haben – jemanden, der einen an die Hand nimmt, das Talent erkennt und fördert. Das ist mir in Pécs passiert. Mein erster Lehrer war Dr. István Buzogány, der mich stark unterstützte, aber ich könnte noch viele weitere Namen nennen: Professor Dr. László Farkas, Chefarzt Dr. Zoltán Fábos, der heutige Klinikdirektor Professor Dr. Árpád Szántó, Dr. Ákos Pytel, Dr. Csaba Pusztai, Professor Dr. János Hübler, Professor Dr. László Somogyi und Dr. Kinga Villányi – ich hoffe, ich habe niemanden vergessen. Neben ihrem Wissen war ihre Haltung entscheidend: methodisches, demütiges Arbeiten – etwas, das für komplexe Operationen lebenswichtig ist. Ohne diese Einstellung hätte ich auch jene Operation nicht durchführen können, die später ins Guinness-Buch der Rekorde aufgenommen wurde.“

Bei dem erwähnten Eingriff entfernte Dr. Bagheri gemeinsam mit seinem Team in Dubai eine 7 kg und eine 6 kg schwere Niere – ein Verfahren, das auch in den Medien große Aufmerksamkeit erregte. Doch ebenso wichtig waren die fachlichen und menschlichen Aspekte des Einsatzes – so sehr, dass die Möglichkeit eines Guinness-Weltrekords erst im Nachhinein angesprochen wurde.

„Normale Nieren wiegen etwa 150 Gramm. Diese beiden wogen zusammen 13 Kilo – es handelte sich um einen Patienten mit beidseitiger polyzystischer Nierenerkrankung. Jahrelang versuchten wir ihn zu einer Operation zu bewegen, denn die vergrößerten Nieren drückten bereits auf andere Organe. Doch in Dubai haben viele Menschen große Angst vor Operationen. Erst als er kaum noch gehen konnte und das Atmen große Mühe bereitete, stimmte er zu. Schon der kleinste Fehler hätte eine massive Blutung verursacht – ohne die Erfahrung aus Pécs wäre der Eingriff nicht möglich gewesen. Erst nach der Operation brachte mein Sohn den Gedanken auf, dass wir uns beim Guinness-Buch bewerben könnten. Es dauerte ein Jahr, bis wir die offizielle Bestätigung erhielten.“

Die zögerliche Einstellung gegenüber Operationen und ärztliche Empfehlungen in Dubai motivierte Dr. Bagheri dazu, zusätzlich zu seiner klinischen Tätigkeit auch Aufklärungsarbeit zu leisten. Auf seinem Instagram-Kanal mit rund 60.000 Followern veröffentlicht er Videos über urologische Erkrankungen und deren Behandlung.

„Das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient ist extrem wichtig – in Dubai leider sehr schwach. Viele holen sich eine zweite, dritte, sogar vierte Meinung ein, was natürlich ihr gutes Recht ist, sie aber häufig nur noch mehr verwirrt – während wertvolle Zeit verloren geht. Mein größter Erfolg ist deshalb, dass ich ein starkes Vertrauensverhältnis zu meinen Patienten aufbauen konnte. Die Guinness-Operation hätte ich auch in Ungarn durchführen können, aber das ist eine wichtige Leistung, die nur in Dubai möglich war.“

 

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Schon in Pécs wurde Dr. Bagheri von seinen Patientinnen und Patienten hochgeschätzt: 2007 erhielt er den Preis „Ehre von Pécs“ sowie die Ehrenbürgerschaft – beide basierend auf öffentlicher Abstimmung, als er noch als Assistenzarzt an der Urologischen Klinik tätig war. Dass ihm selbst die von Grund auf skeptischen Patientinnen und Patienten in Dubai Vertrauen schenken, verdankt er ebenfalls der in Pécs erlernten Haltung.

„Eine der Gaben, die ich aus Pécs mitgenommen habe, ist der Fleiß. Wer nicht fleißig ist, bekommt keine Operationen, kann sein Talent nicht unter Beweis stellen und sich nicht weiterentwickeln. Als ich 2010 nach Dubai kam, war es dort üblich, von halb acht bis halb drei zu arbeiten. Danach ging jeder nach Hause. Ich sagte dem medizinischen Direktor, dass ich länger arbeiten und mehr Patienten behandeln möchte – wie in Pécs. Er entgegnete, dass sie mir dafür nicht mehr zahlen könnten. Ich erwiderte, dass ich kein zusätzliches Geld verlange, nur mehr Patienten – ich wollte die Urologie weiter ausbauen. Drei oder vier Operationen pro Woche waren nichts im Vergleich zu den 15 pro Tag in Pécs. Ich hatte zwei OP-Tage pro Woche und arbeitete oft bis acht oder neun Uhr abends. Ich glaube fest daran, dass man positive Energie, die man aus dem Herzen gibt, zurückbekommt – und genau so ist es gekommen, die Patienten haben auch begonnen, meine Arbeit und meine Einstellung zu schätzen.“

Diese patientenzentrierte Haltung sieht Dr. Bagheri auch als eine der wichtigsten Botschaften für die kommende Ärztegeneration: Sie sollen nicht nur Spezialisten, sondern umfassende Begleiter ihrer Patientinnen und Patienten sein.

„Wir dürfen nicht nur auf den Zwei-Zentimeter-Nierenstein schauen – wir müssen den ganzen Menschen sehen. Der Patient hat Pläne, eine Familie – und jetzt hat er Angst. Diese Angst müssen wir ernst nehmen. Wir müssen nicht nur gute Fachärzte sein, sondern in gewissem Maß auch Psychologen. Ebenfalls sehr wichtig: Wir müssen demütig bleiben. Stolz ist eine große Gefahr für Ärztinnen und Ärzte – besonders im OP. Ruhm darf uns nicht zu Kopf steigen. Wir müssen langsam, achtsam und bescheiden arbeiten.“

 

 

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In seiner Rede bei der Diplomfeier sprach Dr. Bagheri von sechs Grundpfeilern, auf denen Erfolg in Beruf und Privatleben basiert. Wer diese beherzigt, kann glücklich leben und im Beruf bestehen: Niemandem schaden – auch sich selbst nicht; ein Ziel haben; Mentorinnen und Mentoren haben, von denen man lernen kann; Disziplin entwickeln; organisiert und zeitsparend arbeiten; und vor allem: durchhalten, nicht aufgeben!

Seine Verbindung zu Pécs endet nicht mit dieser Rede: Bis heute pflegt er einen aktiven Austausch mit seinen Kolleginnen und Kollegen. 2017 erlangte er an der Medizinischen Fakultät seinen PhD-Titel, 2021 wurde er zum Honorar-Dozenten ernannt. Außerdem arbeitet er regelmäßig an gemeinsamen Forschungsprojekten mit.

„Ich stehe nach wie vor in engem Kontakt mit Kolleginnen und Kollegen aus Pécs, Budapest und Kaposvár. Mindestens einmal im Jahr veröffentlichen wir eine gemeinsame Studie – und ich hoffe sehr, dass diese Zusammenarbeit bestehen bleibt. Denn ich schätze sie sehr, arbeite gern mit ihnen. Wo auch immer wir leben oder arbeiten – wir dürfen nie vergessen, woher wir kommen. Denn die wahren Werte liegen in menschlichen Beziehungen und demütiger Arbeit.“

Fotos:

Dávid Verébi

 

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